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Pokal/Cup

Ansgar Brinkmann über Jürgen Klopp: „Keiner hat mich mehr geschimpft“

Philipp Stottan  3. März 2025
Ansgar Brinkmann glaubt an Bielefeld gegen Werder Bremen. (© PA Markus Wissmann / Alamy Stock Photo)

In seiner aktiven Zeit wurde Ansgar Brinkmann als „Weißer Brasilianer“ bezeichnet, aufgrund seiner Spielweise. Allerdings ist ihm dieser Titel gar nicht so recht, wie er im Interview berichtet.

Allen voran blickt der 55-Jährige auf seine Ex-Klubs wie Arminia Bielefeld, aber auch auf seine eigene Vergangenheit.

Er erzählt, wie ihn nicht einmal seine Gegenspieler so oft beschimpft haben wie Jürgen Klopp und wem er heutzutage den Titel „Weißer Brasilianer“ verleihen würde.

Ansgar Brinkmann erzählt: Diesen Spitznamen hätte er lieber

Wettbasis: Hallo Ansgar Brinkmann. Was war denn Ihre größte Pokalerfahrung?  

Brinkmann: „Das Viertelfinale mit dem VfL Osnabrück in Braunschweig. Zur Halbzeit 2:0 geführt. Rolf Schafstall war Trainer, die Älteren erinnern sich.

Und dann haben Pele Wollitz und meine Wenigkeit zwei Fehlpässe gespielt, dann stand es 2:2, dann hat uns Rolf Schafstall in der Halbzeit richtig auseinandergenommen und dann haben wir das Ding 3:2 verloren. Das war ein bisschen schade, weil so ein Halbfinale hätte ich schon gern mal erlebt, aber sollte nicht sein.

Aber grundsätzlich, der DFB Pokal macht uns allen schon seit Jahrzehnten richtig Freude.“

Wenn Sie jetzt sagen, zusammen mit Pele Wollitz, dann waren ja praktisch zwei Brasilianer beim VfL Osnabrück auf dem Platz.

Brinkmann: „Pele Wollitz war ein überragender Fußballer, er ist für mich auch wirklich jemand, der den Fußball bedingungslos liebt. Also wirklich, der ist mit so einem Enthusiasmus, mit so einer Euphorie bei der Arbeit, das ist wirklich schön zu sehen.

Aber damals in der Halbzeit, hat wirklich Rolf Schafstall auch zu ihm gesagt: ‚Pele, Pele, ab heute, nach dieser Halbzeit, heißt du wieder Claus-Dieter.‘
Und zu mir hat der Trainer gesagt: ‚Ansgar, bist du ein Freizeitfußballer? Das ist ein Beruf!‘ Aber wie gesagt, alles hat seine Zeit und unsere ist vorbei. Jetzt sind andere dran. Alles gut.“

Warum heißt das denn eigentlich Alm? Das ist ja weder in den Alpen, noch werden da irgendwie bevorzugt Kühe drauf gelassen. Warum heißt das Bielefelder Alm? 

Brinkmann: „Ganz ehrlich, wenn man etwas nicht weiß, dann einfach mal die Fresse halten. (lacht)“

Von den Spielern, wer gefällt Ihnen gut bei der Arminia aktuell? 

Brinkmann: „Jonas Kersken ist wirklich ein Fels in der Brandung. Er spielt überragend in letzter Zeit, gibt der ganzen Mannschaft Sicherheit und was Arminia natürlich auch kann, das ist das Kontern. Und es gibt zwei Klassiker, wie du besser besetzte Mannschaften schlagen kannst.

Wenn du gut stehst, wenig zulässt und dann konterst. Und dann geht es noch über Standards. Das sind zwei Klassiker, wie man besser besetzte Mannschaften schlagen kann.“

Sie waren auch nie berechenbar. 

Brinkmann: „Ja, aber diese Spieler braucht man. Da können wir durch alle Mannschaften gehen. Wenn man Leverkusen nimmt, Boniface, Wirtz oder Frimpong, sie haben viele Spieler, die nicht berechenbar sind.

Also, wenn man Spieler hat, die balltechnisch gut sind, technisch gut sind, die top Pässe spielen können, aber die berechenbar auf ihrer Position sind, dann hat man ein Problem, umso höher man spielen will und umso mehr Spiele man dann letztendlich auch gewinnen will. Aber dieser Junge, Jens Stage, ist nicht berechenbar. Davon haben die zwei, drei.

Ducksch nicht zu vergessen, der an einem guten Tag auch Spiele entscheiden kann. Werder Bremen hat Qualität, ich kürze es ab. Ich will ja keinen langweilen.“

Brinkmann über Jürgen Klopp: „Kein Spieler hat mich mehr geschimpft“

Sie haben eine gemeinsame Mainzer Vergangenheit mit Marco Rose. Übrigens haben Sie auch in Mainz gespielt, als Klopp noch dabei war. Wie sahen eigentlich die Zweikämpfe mit ihm aus? 

Brinkmann: „Marco Rose ist ein geril Typ. Wer Kloppo hat live spielen gesehen, also kein Spieler in zwanzig Jahren – ich habe ja vor Jürgen Klopp gespielt, auf der rechten Seite und Klopp hat hinter mir gespielt – kein Gegenspieler hat mich mehr beschimpft wie Jürgen Klopp. ‚Komm in die Ordnung, komm zurück, lauf jetzt, ich hau Dir auf’s Maul. Mach mal was!‘

Also der stand schon als Spieler unter Strom, das ist mal sicher.“

Das heißt, Radio Müller ist gar nichts gegen Kloppo früher auf dem Platz?

Brinkmann: „Ja klar, Radio Müller ist schon extrem verbal, das sind alle. Aber Kloppo war körperlich und verbal absolut auch on fire, das kann man sagen.“

Sie haben ja eine wunderbare Karriere hingelegt, aber Grundstein war eine KFZ-Ausbildung. Was könnten Sie heute noch am Auto reparieren?

Brinkmann: „Das normale kriege ich sicherlich auch noch hin, logischerweise. Aber naja, ich komme aus Bakum, da war links und rechts nicht viel, außer ein bisschen vom Land. Also Auto muss ich sagen, war damals auch so ein Stück Freiheit.

Auto fahren, Musik hören, Freunde treffen, mal wohin cruisen. Ich verbinde mit der Zeit generell viel Gutes.“

Es ist ja auch ein Buch über Sie geschrieben worden, mit dem Titel „Der weiße Brasilianer“. Es gibt kaum jemanden, der einen solchen Titel hat, als aktiver Fußballer. Wenn Sie jetzt wählen könnten, welche fünf Spieler hätten auch das Anrecht auf diesen Titel, weißer Brasilianer?

Ansgar Brinkmann: „(lacht) Also erst mal, der Namen „weißer Brasilianer“ kam, glaube ich, auch Rolf Schafstall. Straßenfußballer gefällt mir persönlich, wenn man mich fragt, viel, viel besser. Es gibt auch eine Doku. Ich weiß nicht, wer mal Bock hat, aber wenn ihr mal gar nichts zu tun habt, dann schaut euch bei RTL plus die Doku an: ‚Der Straßenfußballer Ansgar Brinkmann‘. Da kann man viel über meine Zeit erfahren.

Früher war nicht alles besser, das kann ich euch sagen, es war anders. Und wie ich schon gesagt habe, am Anfang unseres Gesprächs, alles hat seine Zeit, meine ist vorbei. Jetzt sind andere dran. Aber wer mal rückblickend schauen will, schaut sich die Doku an bei RTL plus.

Um die Frage zu beantworten, Bernd Schneider ist ja so der weiße Brasilianer und wenn man die Karriere von Bernd Schneider mit meiner vergleicht, dann ist meine Karriere und die Karriere von Bernd Schneider so weit auseinander, wie die Erde vom Jupiter. (lacht)“

Aber das ist nur einer. Pele Wollitz haben Sie eingangs auch schon gesagt. 

Brinkmann: „Ja, ich habe wirklich auch das Privileg gehabt, dass ich mit unfassbar guten Fußballern zusammenspielen durfte. Für Bernd Schneider, den wir gerade genannt haben, für den hätte ich im Training Eintritt bezahlt. Das hat einfach Spaß gemacht, Bernd Schneider beim Fußball zuzuschauen.“

Und sonst noch jemand? Irgendeiner, von dem Sie heute sagen, das ist annähernd so jemand, den man in diese Kategorie nehmen könnte. 

Brinkmann: „Da sind wir wieder bei unberechenbar und wenn wir bei unberechenbar sind, dann sind das natürlich Spieler, die sich intuitiv vier von fünf Mal richtig entscheiden. Das sind Spieler, die das was sie vorhaben, in der letzten Zehntelsekunde wieder revidieren können. Das sind Spieler, die imstande sind, im Eins-gegen-Eins zu erkennen, auf welches Bein der Gegenspieler sein Gewicht verlagert hat.

Das sind Jungs wie Ribery, wie Robben, wie Musiala, wie Wirtz. Wenn Sie mich aktuell fragen, ich habe jetzt neun Spiele in Leverkusen gesehen und dieser Wirtz, der hat Sachen, die kann man nicht trainieren, das ist pures Talent und was der Wirtz da manchmal macht, das hat mit Fußball nichts zu tun, das ist Kunst.“

Wunderbar, was halten Sie von Mitch Kniat, dem Trainer der Bielefelder?


Brinkmann: „Den haben wir von Verl rübergeholt und er hat jetzt die Mannschaft wieder stabilisiert. Der Job eines Trainers ist natürlich, das Kollektiv besser zu machen und Spieler individuell ans Limit zu bringen. Das traue ich ihm zu. Und wie man jetzt gerade in der Tabelle sieht, sind wir wieder oben dran.

Das einzige Problem, was der Trainer mit seiner Mannschaft hat, aber er ist ja auch noch nicht so lange da ist, dass wir es konstant hinbekommen. Wir alle kennen die 3. Liga, da steht das Ergebnis vorher nicht fest. Da kann wirklich aktuell fast jeder jeden schlagen. Mal abgesehen so ein bisschen vielleicht von Cottbus, die sehr konstant sind. Dynamo Dresden zu Hause natürlich auch mit dieser Wucht, obwohl sie jetzt auch in Rostock verloren haben.

Aber diese beiden mal ausgenommen, kann in der 3. Liga wirklich fast jeder jeden schlagen. Und dann geht es auch darum, die Mannschaft, die es am meisten will, wird dann letztendlich auch am weitesten kommen, weil vieles ist sehr ausgeglichen.“

Noch ganz kurz zwei Nachfragen zu zwei Ihrer Ex-Vereine. Erst mal VfL Osnabrück, schaffen die den Klassenerhalt in der 3. Liga? 

Ansgar Brinkmann: „Ja, definitiv. Also es sah richtig, richtig bitter aus, aber der Start war jetzt richtig gut. Und Bremer Brücke, auch mit diesem Enthusiasmus, mein Heimatclub, mein erster Profiklub war Osnabrück.

Der Trainer macht es gerade emotional auch überragend, er hat sie alle wachgerüttelt und der VfL wird es schaffen, das hoffe ich ganz stark.“

Zweite Frage, gleiches Thema, nur eine Klasse höher. Preußen Münster, auch da hatten Sie zwei Zeiten, Anfang der 90er und dann noch mal zum Ende Ihrer Karriere hin. Schaffen die es in der 2. Liga?

Brinkmann: „Ich habe dreimal für Preußen Münster tatsächlich gespielt, was außergewöhnlich ist natürlich. Gerade gestern hatte ich auch wirklich noch Kontakt nach Münster, weil der Sieg tut jetzt mal richtig gut. In Paderborn noch einen mitbekommen, jetzt zu Hause gewonnen. Die waren so lange weg vom Fenster, jetzt, die zu sehen, in dieser 2. Liga, die ja unfassbar emotional ist.

Ich meine, Hamburger SV, 1. FC Köln, Schalke 04, Düsseldorf, Hallelujah, wer rernnt da noch alles rum. Das ist ja wirklich Balsam für die Seele, für die Menschen, die Preußen Münster bedingungslos lieben, weil die hatten eine ganz schwere Zeit über die letzten fünfzehn, zwanzig Jahre. Die waren lange weg vom Fenster. Ich glaube 1992 war das letzte Mal, wo Preußen Münster 2. Liga gespielt hat. Das ist ein Traditionsklub und die jetzt mal wieder zu sehen in dieser Liga, das fühlt sich gut an.“

KI Prediction zur 2. Liga Saison

Und der MSV Duisburg, steigt der jetzt wieder auf, oder nicht?

Brinkmann: „Ja, der MSV Duisburg. Meine Schwester lebt ja in Duisburg und mein erstes Spiel, meine Tante war damals Krankenschwestern in Duisburg, da war ich fünf oder sechs Jahre jung, mein erstes Bundesligaspiel habe ich tatsächlich dann in Duisburg gesehen, mit Bernard Dietz.

Und dann habe ich gefragt damals, wer dieser Mann ist, der voller Matsche ist, wo man das Trikot gar nicht mehr erkennen kann. Da hat man mir damals gesagt, dass das Bernard Dietz ist, unser Fußballgott. Da war ich vier oder fünf Jahre alt in Duisburg. Das war ein Erlebnis.“

Damit sind Sie nicht alleine, Lothar Matthäus hat sein erstes Bundesligaspiel übrigens auch im Wedau Stadion gesehen. Der war in der Sportschule Wedau, sein erstes Bundesligaspiel war Duisburg gegen Schalke. Also haben Sie da was gemeinsam.

Brinkmann: „Also Lothar Matthäus, da brauchen wir nicht drüber reden, legendär. Sein Weg im Fußball ist legendär und ja, wenn es dann mal paar Aufreger gab, seis drum. Aber was wollte ich noch sagen? Ja, Duisburg gegen Oberhausen, 27.000 in der 4. Liga, auch absoluter Wahnsinn. Also man hat heute, gerade in Deutschland, auch drei unfassbar liegen.

Also wer heute talentiert ist mit vierzehn, fünfzehn, sechzehn, früher gab es nur Bundesliga, das war von der Quote her, wie wir alle wissen, brutal schwierig. Da hat man heute die 1. Liga, die 2. Liga, die unfassbar ist und man hat die 3. Liga mit Bielefeld, mit Osnabrück, mit Dynamo. Also es gibt drei Ligen heute, wo du vor 25.000 und 30.000 Menschen Fußballspielen darfst. Das finde ich schon bemerkenswert.“

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Philipp Stottan

Philipp Stottan

Alter: 31 Nationalität: Österreich Lieblings-Wettanbieter: Bet-at-home, Bet365

Das Thema Sport und all seine Facetten begleitet Philipp, seit er denken kann. Zu Schulzeiten entwickelte sich dann die Leidenschaft fürs Schreiben, weshalb er schon früh Erfahrungen in der Medienbranche sammeln konnte.   Mehr lesen