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Didi Hamann Interview über Treffen mit Hoeneß & Eberl, Experten-Tabus und Sonderbehandlung beim FC Hollywood

Philipp Stottan  3. März 2025
Didi Hamann
Didi Hamann spricht über seine Beziehung zu Uli Hoeneß & Max Eberl nach gemeinsamen "Scharmützel". (© dpa picture alliance / Alamy Stock Photo)

Er ist mit der bekannteste Experte in Fußball Deutschland, selten bleiben seine Meinungen ohne Wellen. Die Rede ist natürlich von Didi Hamann.

Als Spieler hat er auf Klub-Ebene alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Heutzutage fällt sein Blick jedes Wochenende auf die Bundesliga und deren Geschichten.

Im ersten Teil des mehrteiligen Interviews (hier geht’s zum 2. Teil) mit der Wettbasis, soll der Blick aber wieder auf ihn, seine Karriere und seine Expertise fallen. Didi Hamann spricht über Sonderbehandlung von Basler, Trapattonis legendäre Pressekonferenz, seine Beziehung zu Uli Hoeneß und Max Eberl, ob es Themen gibt von denen er sich lieber fern hält und welche zwei Bundesliga-Spieler er mit sich selbst vergleichen würde.

 

 

Didi Hamann über Zeit beim FC Bayern: „Vertrauen hat gefehlt“

 
Wettbasis: Herr Hamann, Sie waren dabei beim legendären WM-Finale 2002 und der Schiedsrichter Pierluigi Collina, wollte unbedingt das Trikot von Ihnen. Können Sie erklären, was da los war?

Didi Hamann: „Mich hat das selber ein bisschen überrascht. Also mich würd es jetzt wundern, wenn ich es persönlich überreicht hätte, weil natürlich die Enttäuschung riesengroß war, dann ist die Siegerehrung noch und dann verschwindest du möglichst schnell in die Kabine.

Also ich kann mich nicht erinnern, ist natürlich schon eine Zeit her, aber ich könnte mich, glaube ich, schon noch erinnern, wenn ich es ihm persönlich gegeben hätte. Aber ich kann es ganz ehrlich nicht sagen, wie er dazu gekommen ist.“

 
Welches Trikot haben Sie denn selber aus dem Finale mitgenommen?

Hamann: „Man wechselt ja das Trikot. Also das Trikot, das ich am Ende des Spiels anhatte, das habe ich noch. Und es kann sein, dass das Trikot, das gewechselt wurde in der Halbzeit, dass er irgendwie da rangekommen ist.

Aber wie gesagt, er hat das ja, glaube ich, nicht weiter aufgeklärt. Also wenn ich ihn mal sehe, dann werde ich ihn fragen, wie er dazu gekommen ist.“

 
Sie waren auch in der legendären Bayern Amateurmannschaft, unter dem Tiger Hermann Gerland. Sie hatten 24 Tore in 54 Spielen. Hat er Sie ans Kopfballpendel gestellt?

Hamann: „Ja, beim Kopfballpendel war ich, richtig. Regelmäßig. Also da musste jeder hin. Nicht nur die Stürmer oder Mittelfeldspieler oder wer auch immer. Da mussten alle hin, auch die Flügelspieler.

Und in der Jugend war ich ja offensiver Mittelfeldspieler. Ich habe in der A-Jugend immer viele Tore gemacht und dann auch bei den Amateuren in der ersten Saison, damals in der Bayernliga, 3. Liga war das ja, da habe ich 16 oder 18 Tore gemacht. Und es war halt dann so, dass, als ich dann weiter nach oben kam, habe ich mich schwerer getan, Tore zu schießen. Und wenn du als offensiver Mittelfeldspieler keine Tore schießt, dann kannst du kein offensiver Mittelfeldspieler mehr sein.

Der natürliche Weg ist dann, dass du etwas weiter zurückgehst, weil wenn du dann gegen die besseren oder besten Spieler spielst, in der Bundesliga, dann brauchst du entweder Tempo oder einen Trick oder du musst irgendwie zum Abschluss kommen. Das hat mir gefehlt, das hatte ich nicht, deswegen war das eigentlich zwangsläufig so, dass ich etwas weiter hinten spielen musste.

Das ging aber einigen so, also wenn ich meine Kollegen da in der Vergangenheit sehe, die dann etwas weiter zurück gingen oder gehen mussten, weil es vorne nicht mehr gereicht hat.“

 
An wen denken Sie da? Schweinsteiger?

Hamann: „Der Schweini, als der in die Nationalmannschaft kam, hat er ja damals noch rechts gespielt. Er hat ja eigentlich damals auf der Seite gespielt, aber van Gaal hat ihn in die Mitte gezogen.

Also Schweini ist wahrscheinlich auch ein gutes Beispiel. Ich könnte mir vorstellen, dass der in der Jugend und dann bei den Amateuren auch einige Tore erzielt hat. Das ist wahrscheinlich mit der bekannteste, ich habe jetzt auch keinen im Kopf, aber da gibt es mit Sicherheit einige, bei denen das so lief.“

 

Hamann erklärt: Darum kritisiere ich Bayern & BVB

 
Jetzt gab es diese Doku, FC Hollywood. Haben Sie Erinnerungen oder Geschichten, die es nicht in die Doku geschafft haben, die es aber eigentlich wert sind zu erzählen?

Hamann: „Ich glaube, da war genug drin. Also ich habe die Doku selber noch nicht gesehen, ich kam noch nicht dazu. Aber die muss ja sehr gut gemacht sein, es war ja immer was los. Aber aus dem Stegreif fällt mir da wenig ein, aber es war ja genügend los und wurde ja auch genügend geschrieben.

Also es ist ja selten mal was passiert, was nicht rauskam. Das war ja, glaube ich, dann auch einer der Gründe, warum der FC Bayern der FC Hollywood wurde oder für einige Jahre war. Turbulente Zeiten, schöne Zeiten, andere Zeiten, ohne Social Media. In der heutigen Zeit wäre das wahrscheinlich gar nicht mehr möglich.

Also, das meiste, was passiert ist, das habt ihr alles mitbekommen.“

 
Was hat Sie denn am meisten amüsiert, welche Geschichte? War es eine mit Mario Basler vielleicht?

Hamann: „Wir haben schon gelacht, so ist es nicht. Aber es war so, es hat halt das Vertrauen gefehlt, weil da verschiedene Gruppen in der Mannschaft waren und Sachen immer rauskamen. Aber oft war es halt die Situationskomik, die nur schwer wiederzugeben ist.

Es war halt so, dass wenn der Mario ein Tor gemacht hat, oder zwei, dann hat er mal einen Vodka Lemon mehr getrunken nach dem Spiel. Und wenn dann am Sonntag auslaufen war, dann kam der Trapattoni in die Kabine und hat gesagt, die, die gespielt haben, gehen raus, die anderen gehen mit Auge und machen ein bisschen mehr. Und der Mario, in seiner Turnhose, war in der Kabine gesessen, natürlich noch etwas angeschlagen von der Nacht vorher und hat immer gesagt: ‚Mister, ich gehe ein bisschen schwimmen‘.

Und Trap hat dann erst versucht, ihn zu überreden, dass er doch zehn oder fünfzehn Minuten mit rausgehen sollte zum Laufen. Was er selten geschafft hat. Und da sieht man dann auch, was Trapattoni für eine Menschenkenntnis hatte, was er für eine Souveränität hatte. Er hat den Mario dann meistens sitzen lassen, hat ihn ins Becken gehen lassen, zehn Minuten und hat es gut sein lassen, weil er wusste, der ist so wie er ist und den kann man auch schwer ändern.

Aber da waren schon einige Szenen dabei, wo natürlich die Jungs dann auch um den Trap oder den Mario gestanden sind und gesagt haben: ‚Komm Trainer, der muss doch mit rausgehen.‘ Und dann ging das hin und her und er hat sich da geweigert. Wenn es hart auf hart gekommen wäre, wäre er wahrscheinlich schon raus, aber es war ihm so lieber.

Und da waren schon einige Szenen dabei, das ist unbezahlbar.“

 
Die legendäre Rede von Trapattoni, wie haben Sie die denn damals erlebt? Da sind ja einige prominent vertreten gewesen, Thomas Strunz und Co. Was haben Sie sich in dem Moment gedacht?

Hamann: „Also wir haben ja danach noch trainiert. Ich habe das erst mitbekommen, als ich nach dem Training zu Hause war. Aber es hatte ja einen Grund, warum er das gesagt hat. Und Trap war ja der deutschen Sprache nicht wirklich mächtig und hat natürlich auch wenig mitbekommen, was in den Gazetten geschrieben wurde. Und es war halt so, über Wochen und Monate hat sich das eingeschlichen, dass einfach Spieler, die nicht gespielt haben, sich dann beschwert haben, bei irgendwelchen Journalisten und das stand dann in der Zeitung.

Und der Trap hat das auch immer wieder betont und gesagt, wenn einer rausgeht und sagt: ‚Ich sollte spielen‘, heißt das, ein anderer sollte nicht spielen. Das macht man nicht, das gebührt der Respekt gegenüber dem Mitspieler. Das ist eingerissen bei uns, weil er hat das, glaube ich, nicht mitbekommen. Dann haben wir das Spiel auf Schalke, im alten Stadion noch, verloren und dann waren wieder ein, zwei Spieler, die sich da gemeldet haben.

Da hat er das, glaube ich, das erste Mal so richtig wahrgenommen, dass Spieler sich da über die Aufstellung beschweren oder einfach über die Tatsache, dass sie nicht spielen. Und für ihn war das Tabu. In Italien ist das verpönt, das macht man einfach nicht. Dann hat er das mitbekommen und deswegen ist ziemlich viel aus ihm herausgesprudelt in der Pressekonferenz. Aber wie gesagt, ich habe das erst mitbekommen, als ich dann zu Hause war und am nächsten Tag war das kein großes Thema.

Derjenige, der wahrscheinlich am meisten darunter, in Anführungszeichen, gelitten hat, dem es geschadet hat, war wahrscheinlich der Thomas Strunz, der ja da auch erwähnt wurde. Ich war ein junger Spieler, ich habe das alles so mitgenommen am Rande. Ich war froh, wenn ich meine Ruhe hatte, wenn ich gespielt habe. Aber ein großes Thema in der Kabine war das nicht.“

 

 

Diese Bundesliga Spieler erinnern Didi Hamann an sich selbst

 
Vergangene Woche kam es mal auf den Tisch, dass Christian Ilzer eine, man könnte es nennen, merkwürdige Kabinenansprache gehalten hat. Ist Ihnen eine Ansprache in Erinnerung in der Kabine, die auch so merkwürdig war?

Hamann: „Nein, sowas ist mir nicht passiert. Aber jeder versucht da, auf seine eigene Art und Weise auf die Mannschaft einzugehen. Aber die Trainer, die ich hatte, die waren eigentlich alle, das muss ich mal sagen, eigentlich sehr besonnene Genossen. Also die waren alle relativ ruhig und pragmatisch, was das anbetrifft.

Diese Reden, wo du dann noch mal richtig pushst und noch mal richtig reingehst, das kannst du ja oft nur einmal machen und die Trainer, die ich hatte, die waren da immer relativ ruhig und haben es sachlich versucht. Natürlich sind die dann vielleicht einmal lauter geworden, kurz vor dem Spiel, aber so besondere Sachen, dass da einer mal irgendwas gespielt hätte oder gemacht hätte, habe ich in meiner Karriere nicht erlebt.

War auch nicht nötig, muss ich sagen. Also die, die ich gehabt habe, die waren sehr gut und die haben das immer auf andere Art und Weise versucht zu lösen.“

 
Wenn Sie sich jetzt aber mal da reinversetzen in die Lage der Spieler, wie hätten Sie denn reagiert? Also im Fall von Ilzer.

Hamann: „Also erstmal hätte ich mich wahrscheinlich gewundert. Aber schwer, da muss man wahrscheinlich dabei sein.“

 
Aber kann man denn da ernst bleiben?

Didi Hamann: „Das ist zehn Minuten vor dem Bundesligaspiel. Ich glaube nicht, dass da einer drin gesessen ist und gelacht hat. Man ist ja selber, in Anführungszeichen, mit sich selber so beschäftigt, so konzentriert und man hat ja auch eine Spannung aufgebaut. Man wartet ja nur, dass es losgeht. Und da versucht der Trainer natürlich noch mal in 30 Sekunden, in einer Minute, bevor die Klingel geht und man raus muss, irgendwie die Jungs zu packen.

Aber ich glaube, dass das viele nur so unterbewusst wahrnehmen, weil die meisten wahrscheinlich in so einem Konzentrationszustand sind, wo man natürlich auch nur begrenzt aufnehmen kann, was wahrscheinlich auch gut ist. Aber ich glaube nicht, dass die da drin gesessen sind und gelacht haben. Aber gewundert hat sich vielleicht der eine oder andere. Ich glaube aber, dass der Ilzer vorher wahrscheinlich auch schon mal was Ähnliches gemacht.

Er ist einer, der immer versucht die Grenzen auszureizen und Sachen zu machen. Wenn es funktioniert, okay. Aber das kann man natürlich nur so und so oft machen. Also jede Woche kann man das nicht machen.“

 

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Sie haben ja eine wunderbare Karriere hingelegt und in Erinnerung geblieben sind Ihre Pässe bzw. die Art und Weise, wie Sie strategisch spielen konnten. Wenn Sie heute einen Spieler finden müssten, der ähnlich spielt wie Sie früher, wer wäre das?

Hamann: „Die zwei in Stuttgart, die gefallen mir sehr gut. Ob sie jetzt ähnlich spielen, weiß ich nicht, aber ich glaube, der Karazor, das ist so ein Spieler, der ähnlich spielt, würde ich sagen. Stiller ist natürlich Linksfuß, aber die sind beide Strategen, lesen beide das Spiel sehr gut.

Ich schaue da natürlich immer irgendwo auch besonders drauf, wenn ich Spieler auf der Position sehe und die zwei würden mir als erste einfallen. Wahrscheinlich Karazor noch ein bisschen mehr als Stiller.“

 
Sie haben bei den Bayern Amateuren auch mit Max Eberl zusammengespielt. Jetzt gab es in der Vergangenheit mit ihm mal so kleine Scharmützel. Wie war denn Ihre Beziehung zu ihm damals?

Hamann: „Sehr gut, sehr gut. Wir haben gegeneinander gespielt, zehn Jahre lang. Als ich bei Wacker München war, er bei Bayern, dann in der A-Jugend zwei Jahre zusammen, bei den Amateuren noch ein, zwei Jahre. Er ist dann damals nach Bochum gegangen, das war seine erste Station, aber wir haben immer Kontakt gehalten irgendwo.

Meine Kinder haben ja beide in den Niederlanden studiert und bin dann eigentlich regelmäßig, wenn ich da hochgefahren bin, am Borussia Park vorbeigefahren und habe Kaffee mit ihm getrunken. Deswegen haben wir ein gutes Verhältnis. Klar, jetzt hat es mal eine kleine Sache gegeben, vor einigen Monaten.“

 
Diese Tinnitus-Geschichte, wo muss man die dann einordnen?

Hamann: „(lacht) Scharmützel haben Sie gesagt. Also nein, wenn man kritisiert und dann jemand was zurück sagt, das gehört ja dazu. Das ist doch Teil des Geschäfts. Also ich stehe da drüber und ich bin mir sicher, er auch. Dass er da seine Spieler, den Verein und die Mannschaft schützt, das ist ja ganz normal.

Ich habe mal mit ihm telefoniert, vor einem Jahr, also bevor er anfing bei Bayern. Seitdem habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen, aber wenn er mir mal über den Weg läuft, dann bin ich mir sicher, werden wir eine Tasse Kaffee trinken und werden uns unterhalten.

In der heutigen Zeit wahrscheinlich nicht mehr selbstverständlich, aber für mich, und für ihn glaube ich auch, schon.“

 

 
Sie sind aktuell ein anerkannter TV-Experte. Matthias Sammer ist in beratender Funktion bei Borussia Dortmund tätig. Könnten Sie sich eine ähnliche Funktion auch bei einem Verein vorstellen und wenn ja, bei welchen?

Hamann: „Ich glaube, das ist schwer. Die Arbeit, die ich hier mache bei Sky seit Jahren, das basiert auf Unabhängigkeit und Unbefangenheit. Also ich für mich kann mir nicht vorstellen, die Tätigkeit auszuüben und gleichzeitig einen Verein zu beraten. Weil man natürlich irgendwann mal über den Verein sprechen wird oder muss.

Da würde mich in eine Situation bringen, in der ich nicht sein wollen würde und deswegen, parallel zu meiner Tätigkeit, ist das ausgeschlossen.“

 
Gibt es in Ihrer Funktion als TV-Experte Themen, von denen Sie die Finger lassen möchten und von denen Sie auch die Finger lassen, in der Kommentierung, in der Bewertung?

Hamann: „Da müssten Sie mir ein Bespiel geben.“

 
Vereinspolitik oder Dinge, die vielleicht etwas tiefer reingehen in die Strukturen. Also gibt es Sachen, wo Sie für sich selber entschieden haben, das kommentiere ich nicht?

Hamann: „Es kommt darauf an, ob ich genug Wissen habe, um das zu machen oder zu sagen. Also natürlich, wenn es um Vereinsstrukturen geht, um Sachen im Hintergrund, da muss man natürlich immer vorsichtig sein. Primär geht es bei uns und sollte es auch, um den Fußball gehen. Aber wenn da vereinspolitische Sachen passieren, wenn ich da genügend Einblick habe und auch eine Meinung dazu habe und gefragt werde, da werde ich dann meine Meinung dazu geben, das gehört dazu.

Aber natürlich muss man dann auch das nötige Hintergrundwissen haben. Grundsätzlich gibt es aber nichts, wo ich nichts dazu sagen würde. Ich weiß nicht, so eine Situation hat es glaube ich noch nicht gegeben und das muss man dann immer von Situation zu Situation beurteilen. Aber kein Problem, wenn da irgendwelche Sachen in Vereinen passieren, was natürlich immer passiert, wo man den Einblick nicht hat, dann muss man auch sagen, da fehlt mir jetzt die Expertise oder da kenne ich mich nicht genug aus.

Da habe ich auch kein Problem. Aber pauschal zu sagen, über das spreche ich nicht. Das würde ich nicht sagen.“

 
Ich als Kommentator bekomme ja auch schon mal online Kommentare, wenn irgendwas läuft. Das bekommen dann auch meine Kinder mit und sprechen mich eventuell dann darauf an. Ist es bei Ihnen ähnlich? Also dass Ihre Töchter auch mal sagen: Hey, was ist denn da los? Bekommen Sie da Feedback?

Hamann: „Nein, das nicht. Also ich weiß nicht, ob sie was kriegen, aber die lesen das nicht. Ich lese es auch nicht, vielleicht schaue ich ab und zu mal rein. Es kommt natürlich darauf an, welcher Verein sich da schlecht behandelt fühlt, dass da natürlich schon eine Vielzahl an Nachrichten, Beleidigungen und Beschimpfungen kommen. Aber ich mache mir da keinen Hals, weil wenn jemand anonym da irgendwelche Beleidigungen oder Beschimpfungen schickt, dann kann ich darüber eigentlich nur schmunzeln.

Die Kommentatoren, die können es ja keinem recht machen und die Leute, die Sie gut finden, oder Sie loben, die schreiben das ja nicht. Es schreiben immer nur die, die da was loswerden wollen, weil sie frustriert sind. Aber wie gesagt, ich stehe da drüber und wenn man das nicht aushält, ist es natürlich ein Problem. Ich glaube, dass diese Social Media Unternehmen mehr unternehmen sollten, ich glaube, dass der Staat mehr unternehmen sollte, damit das besser verfolgt werden kann.

Ich würde mich auf den Netzwerken, wo ich eh selten unterwegs bin, nicht bewegen, wenn es mich belasten würde. Es belastet mich nicht, aber ich verstehe natürlich schon, dass gerade bei Kindern, da ist es ja nichts anderes, das in der Gesellschaft ein Riesenproblem ist. Und dass dort dringend etwas gemacht werden muss, denn das kann natürlich Kinder zerstören.

Das Selbstwertgefühl und das ist schon ein Problem. Bei mir ist das nicht der Fall, aber ich würde mich nicht auf diesen Netzwerken rumtreiben, wenn mich das belasten würde, wobei ich es eh selten mache. Aber grundsätzlich, für die Gesellschaft, sind die sozialen Medien, meiner Meinung nach, ein großes Problem.“

 
Sie haben mit kaum jemanden mehr Spiele gemeinsam gespielt, als mit Jamie Carragher. Der ist Experte bei Sky UK. Tauschen Sie sich mit ihm mal aus?

Didi Hamann: „Ja, immer mal wieder. Da muss es gar nicht um irgendwas Besonderes gehen, aber ich habe letzte Woche erst wieder mit ihm gesprochen. Wir tauschen uns regelmäßig aus, auch wenn er mal was wissen will aus der Bundesliga, weil es in der Champions League in die heiße Phase geht. Ich schaue relativ viel Premier League, also ich bin eigentlich ganz gut informiert, aber wir sind da schon im Austausch.

Er macht das sehr gut und hat auch sehr gute Ansichten. Also er war schon immer einer, der das Spiel studiert hat. Er hat damals schon, zur aktiven Zeit, italienischen Fußball, spanischen und das alles angeschaut und das hat sich bis heute, glaube ich, nicht geändert.“

 
Man könnte fast meinen, das ehemalige Liverpool wäre eine Expertenschmiede. Da gibt es einige, die da in diesem Bereich tätig sind. Wem hätten Sie noch diese Rolle zugetraut?

Hamann: „Also Manchester United hat auch einige, mit Scholes, mit Keane, mit Neville. Die haben auch einige.“

 
Ja, aber die sind jetzt lange nicht so anerkannt wie Carragher oder Sie. Also da muss man schon auch einen Unterschied machen.

Hamann: „Okay, wem hätte ich das zugetraut? Also grundsätzlich ist es ja immer so, dass es gewisse Positionen sind, wo du strategisch denken musst. Das sind halt die Positionen in der Mitte des Felds, also die Innenverteidiger und die zentralen Mittelfeldspieler. Also ich glaube, ein Xabi Alonso wäre auch prädestiniert gewesen, sowas zu machen, aber er scheint noch ein sehr viel besserer Trainer zu sein, deswegen sind wir froh, dass er sich für diesen Weg entschieden hat.

Und sonst, von den anderen, mit denen ich gespielt habe in Liverpool, sind einige in dem Job unterwegs. Jamie Redknapp, der ist ja auch im Fernsehen unterwegs. Oft ist es ja so, dass wenn man spielt, dann denkt man, der wird wahrscheinlich mal Trainer. Also bei Jamie Carragher hätte ich eigentlich eher gedacht, dass er die Trainerlaufbahn einschlägt. Das hat mich dann schon etwas gewundert, was er für einen Gefallen an dieser Tätigkeit gefunden hat. Und das macht er ja hervorragend.

Oft ist es so, dass die, von denen man glaubt, dass sie in den Trainerberuf gehen, die machen es nicht. Bei Steven Gerrard zum Beispiel, hätte ich gedacht, dass den dieses Trainerdasein nicht interessiert. Er hat ja immer relativ wenig Zeit für die Trainer gehabt und das hat ihn nie groß interessiert, glaube ich, was da im Hintergrund passiert und der ist jetzt richtig involviert.

Er war in Saudi-Arabien, jetzt nicht mehr, aber ich hoffe, dass man ihn bald wieder sieht. Oft passiert dann das Gegenteil von dem, so wie man die Leute einschätzt, wenn man mit ihnen spielt.“

 
Um nochmal auf Keane, Scholes und Co. zu kommen, die haben jetzt wirklich nicht so die Reputation wie Carragher und Sie. Gibt es da einen Grund? Was glauben Sie?

Hamann: „Keine Ahnung. Das sollen andere Leute entscheiden und beurteilen. Ist ja wahrscheinlich auch oft subjektiv. Ich mache mir da wenig Gedanken, wie die Leute einen einschätzen. Ich mache das nach bestem Wissen und Gewissen. Mir geht es da immer um die Sache.

Ich versuche Dinge anzusprechen, die vielleicht der Fan so nicht sieht oder gesehen hat und was dann die Leute damit machen, da habe ich wenig Einfluss darauf. Deswegen, wie ich oder wie wir gesehen werden, das sollen und müssen andere entscheiden. Da kann ich wenig dazu sagen.“

 

Hamann über Uli Hoeneß: „Zu allen Spielern herausragendes Verhältnis“

 
Wann hat Sie eigentlich Uli Hoeneß zum letzten Mal angerufen?

Hamann: „Ich habe ihn tatsächlich erst gesehen. Es ist ja immer ein Schafkopf-Turnier Anfang Januar, für die Young Wings Stiftung, die der Thomas Müller unterstützt. Mit meinem Kollegen Michael Leopold wird dieses Schafkopf-Turnier jedes Jahr ausgetragen am Nockherberg in München.

Und da war ich dort, wie jedes Jahr, für den guten Zweck Geld eingespielt und da habe ich ihn kurz getroffen.“

 
Was haben Sie gesprochen, oder haben Sie nur gemeinsam einen getrunken?

Hamann: „Nein, nein, das war in der Pause, bevor die zweite Runde losging. Und dann habe ich kurz Hallo gesagt. Ich hatte ihn auch lange nicht gesehen und er hat nur gesagt, dass ich ab und zu etwas ruhiger machen soll. Ich habe ihn dann gefragt, was habe ich denn gesagt? Sagt er, ab und zu etwas ruhiger sein.

Dann hat er noch gesagt, vielleicht gehen wir mal zum Essen. Ob er sich daran noch erinnern kann, weiß ich nicht. Aber ja, wenn es passt oder wenn er sich meldet, würde ich natürlich auch gern mal eine Stunde oder zwei mit ihm zum Mittagessen gehen, weil er natürlich eine Kapazität ist. Der hat alles gesehen und hat Ansichten, die den Verein immer weitergebracht haben.

Ich finde auch gut, dass er jetzt noch, nicht oft, aber wenn es sein muss, involviert ist. Deswegen, glaube ich, ist es gut, auch für die Bayern, weil es ja diese Diskussion gibt, mischt Hoeneß sich zu sehr ein, sollte er mal loslassen. Ich glaube, es ist für die Bayern sehr, sehr gut und auch wichtig, dass der Uli sich ab und zu noch meldet.

Aber ja er war immer so, er hat immer aufgepasst auf seine Spieler und deswegen hat er ja zu den meisten, oder zu allen und auch die Spieler zu ihm, eben immer ein herausragendes Verhältnis gehabt. Man wird wenig Spieler finden, die etwas Schlechtes über ihn sagen.“

Da waren 150 Leute und das hat eine halbe Minute, eine Minute gedauert. Aber es war schön, ihn wieder mal gesehen zu haben. Und wie gesagt, wenn es klappt, dass wir mal zum Wiener Schnitzel zusammensitzen, dann noch besser.“

 
Erinnern Sie sich denn noch an eine Tirade von ihm? Also er ist ja jetzt auch schon etwas altersmilde geworden, aber als Sie noch gespielt haben, dass da mal richtig was rausgeblasen wurde von ihm?

Hamann: „Der Respekt war natürlich schon riesengroß und zu der Zeit waren wir abends auch öfters mal unterwegs. Der hat da ja auch viel mitgemacht, mit uns.

Und der Uli hat viel mitbekommen und du wusstest es dann schon. Er kam ja selten in den Kabinentrakt. Sein Büro war ja 100 Meter Fußweg entfernt. Ich würde jetzt mal sagen, im Jahr war er vielleicht fünfmal in der Kabine. Und da wusste ich schon, wenn er da war, dass es brennt.

Da haben alle die Ohren angelegt, wenn der Uli kam, weil du schon gesehen hast, dass er geladen ist. Er hat dann natürlich unmissverständlich klar gemacht, wenn da mal was war, hat er den Leuten das dann schon so gesagt und viele Sachen auch versucht, im Keim zu ersticken, so wie es sein muss. Deswegen, der Respekt ihm gegenüber war immer riesengroß, glaube ich von allen.

Also was er für den Verein gemacht hat und was er aus dem Verein auch gemacht hat. Wenn man sieht, mit dem Stadion, mit dem Trainingsgelände und dem Campus, das ist schon Wahnsinn.“

 
Sie hatten Trainer, die einst Weltklasse-Spieler waren wie Beckenbauer, Gullit, Trapattoni und welche, die als Trainer eher erfolgreich waren. Also Benitez, Houllier, Eriksson. Welche Variante war Ihnen lieber?

Didi Hamann: „Das hat sich ein bisschen geändert. Ich habe damals gar nicht darüber nachgedacht, weil die Trainer, die kamen, ein Gerard Houllier, der war Nationaltrainer Frankreichs. Das heißt, er hat schon gezeigt, dass er große Spieler und große Mannschaften trainieren kann.

Benitez war Meister und UEFA Cup Sieger in Valencia. Also da stellte sich die Frage gar nicht, ob der in der Lage ist oder ob der gut genug ist, Liverpool zu trainieren. Das hat sich heute, glaube ich, etwas geändert, weil natürlich die Trainer immer schneller rausfliegen. Es kommen immer mehr neue Trainer, immer jüngere Trainer. Und wichtig ist, glaube ich, dass das die Persönlichkeiten ausbilden.

Und wenn der Trainer keine Persönlichkeit ist oder noch nicht ist, dann ist es, glaube ich, auch schwer, Persönlichkeiten auszubilden und Charaktere zu bilden. Deswegen hat sich das, glaube ich, in den letzten 15, 20 Jahren sehr geändert. Also zu meiner Zeit waren das noch gestandene Trainer und Männer, die dann diese Jobs gemacht haben.

Und heute haben wir eine Vielzahl von Trainern in den Dreißigern. Ja, also das hat es ja früher in der Art und Weise nicht gegeben. Und deswegen ist es einfach eine andere Zeit jetzt.“

Im nächsten Teil spricht Didi Hamann über seine Empfehlung an Florian Wirtz, die absurde Vertragsverlängerung von Musiala bei den Bayern, das deutsche Duell in der Champions League und der Vergleich von Julian Brandt zu Wirtz und Musiala.

 

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Philipp Stottan

Philipp Stottan

Alter: 31 Nationalität: Österreich Lieblings-Wettanbieter: Bet-at-home, Bet365

Das Thema Sport und all seine Facetten begleitet Philipp, seit er denken kann. Zu Schulzeiten entwickelte sich dann die Leidenschaft fürs Schreiben, weshalb er schon früh Erfahrungen in der Medienbranche sammeln konnte.   Mehr lesen